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Alexander Glehr: Jud Süß - Film ohne Gewissen - Interview
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"Es waren sicherlich die teuersten Drehtage, die ich je gehabt habe und sie werden es wohl auch für länger bleiben. Es sieht sehr beeindruckend aus und umso mehr freut man sich, wenn man zum Dreh hinkommt und weiß, daran ist man selber schuld, was da gerade alles abläuft."
Alexander Glehr im Gespräch über Jud Süß - Film ohne Gewissen sowie Franz Novotny über sein junges Team.
Ihr letzter Langspielfilm, den sie produziert haben, war Kleine Fische, mit Jud Süß - Film ohne Gewissen entsteht gerade eine mehrheitlich österreichische Koproduktion mit einem Gesamtbudget von ca. 5,8 Mio Euro. Das bedeutet wohl einen Quantensprung? Alexander Glehr: Wenn ich nur meine eigene Tätigkeit betrachte, ja, dann war das unvergleichbar. Bei Kleine Fische war ich vielmehr auch in das involviert, was tatsächlich gedreht wurde. Bei Jud Süß war das eine andere Größenordnung. Franz Novotny hat 2004 das Buch optioniert, ich bin 2006 in die Firma gekommen. Als ich dann bald darauf das Buch gelesen habe, hatte ich eher das Gefühl, dass es sich so schnell nicht realisieren lassen würde, denn es war offensichtlich, dass es sich um ein sehr teures Projekt handeln würde. Bald darauf kam es zu einem Treffen mit Oskar Roehler und auch mit Markus Zimmer. Oskar Roehler war sehr bald der Wunschkandidat und er hat auch schnell zugesagt. Wir begannen mit der Finanzierung, wobei das ÖFI extrem hilfreich war, wir bekamen eine relativ hohe Zusage, die einen guten Grundstock bildete, auf dem wir unsere weiteren Finanzierungen aufbauen konnten. In Deutschland war es schwieriger, den Koproduzenten zu überzeugen, weil Tele München ein viel größeres Firmenvolumen und andere Prioritäten hat als wir. Den Koproduktionsvertrag hab ich ein Jahr lang ausgehandelt und zwar in wirklich permanentem Verhandeln. Wie kann man die Prioritäten der Novotny&Novotny im Vergleich dazu beschreiben? Alexander Glehr: Tele München agiert vielmehr in einer Plus-/Minus-Rechung, da gibt es einerseits das Investment und andererseits das, was dabei herausschaut und das muss sich für sie rechnen, sonst sind sie nicht dabei. Prestige spielt für Tele München weniger Rolle, sie müssen keinen Film mit Oskar Roehler gemacht haben, um weiter zu wachsen, sie haben schon alles erreicht. Für uns war es ein Anliegen, diesen Stoff zu verfilmen, aber es geht uns natürlich auch darum, ein Prestigeprojekt in Hinblick auf die Firmenentwicklung zu realisieren. Das ist unsere Hoffnung, für die wir nun einmal einen Grundstein gelegt haben. Ob es uns gelingt, nun eine Kontinuität zu erreichen, das wird sich weisen. Das Schwierigste ist, einmal ins Rad hineinzukommen. Mit Jud Süß haben wir jetzt unter Beweis gestellt, dass wir auch imstande sind, ein Projekt von dieser Größenordnung zu realisieren und jetzt hoffen wir, dass wir uns jetzt eine Kontinuität sowohl im Fernsehen als auch im Kino schaffen. Was hat ein Jahr Verhandlung konkret bedeutet? Alexander Glehr: Man steht bei einer solchen Produktionsgröße vor Fragen und Problemen, die man lösen muss. Da werden plötzlich ganz andere Programme abgerufen. Vielleicht wären sie mit mehr Erfahrung schneller lösbar gewesen. Für mich war es eine spannende Herausforderung. Es begann mit einem Treffen in München, wo wir mit dem Chef der Rechtsabteilung und dem eigentlichen Koproduzenten zusammen saßen und einmal nur die Erlösaufteilung diskutierten. Am Anfang wollten sie eine Trennung zwischen deutschem und österreichischem Markt und es war klar, dass das für uns nicht akzeptabel sein kann. Der deutsche Markt ist klarerweise der größte Markt für diesen Film. Wir können als Hauptproduzent am deutschen Markt nicht unbeteiligt bleiben, das war aber der Punkt, der am schwierigsten wegzukriegen war. Ein weiterer heikler Punkt war der, dass der ORF in unserer Finanzierung beteiligt ist und mit Tele München als ATV-Eigner in einem relativ schwerwiegendem Konkurrenzverhältnis steht, der auch Lizenzgeber für den ORF ist. Die Verhandlungen zwischen Tele München und ORF sind immer über uns gelaufen, wir waren da natürlich der Spielball. Dieses Hin und Her galt es auszutarieren, obwohl der Druck der Produktion bereits auf einem lastet. Wir mussten die Standpunkte der beiden Parteien unter einen Hut kriegen, ohne dass wir großen Einfluss ausüben konnten. Tele München achtet sehr genau auf seine Rechte und Beteiligungen. Ich überlegte mir vorher, welche Zielsetzung für uns realistisch sein könnte, und da bin ich hingekommen und darauf bin ich stolz. Es wäre mit mehr Zugeständnissen sicherlich einfacher gegangen. Es bringt ja nichts, am Ende nur mit dem Prestige dazustehen. Wenn wir den Film realisieren, dann soll auch finanziell etwas dabei herausschauen. Wie sind die Entscheidungen für die Besetzung gefallen? Alexander Glehr: Oscar Roehler als Regisseur zu haben, hat den großen Vorteil, dass praktisch jeder Schauspieler gerne bereit ist, mit ihm zu arbeiten. Er hat natürlich beim Casting mitgesprochen, wie er das bei jeder Produktion tut. Wir haben auch bei der Besetzung nicht zu sehr auf Ländereffekte geachtet, sondern vor allem auf Qualität. Der Cast hat sich auch lange, bei kleineren Rollen auch noch nach Drehbeginn verändert. Bei den kleineren Rollen war es natürlich immer ein Ausgleichen zwischen österreichischen und deutschen Schauspielern. Martina Gedeck und Tobias Moretti standen von Anfang an fest, Moritz Bleibtreu kam relativ kurz vor Drehstart dazu, weil Oskar Roehler ihn unbedingt haben wollte und damit auch ein Weltvertrieb wie TF1 zu gewinnen war. Welche künstlerischen Departments sind mit Österreichern besetzt? Alexander Glehr: Ausstattung (Isidor Wimmer), Produktionsleitung (Thomas Konrad) und Kostüm (Thomas Olah) kommen von uns, Kamera, Maske, Musik kommen aus Deutschland. Aber ein Gros des Teams waren Österreicher. Man achtet bei so einem Projekt vor allem darauf, dass man die besten Leute bekommt, die besten, die zum jeweiligen Zeitpunkt auch verfügbar sind. Einem Regisseur wie Oskar Roehler ist man auch schuldig, dass die Key-Departments so besetzt sind, dass er sich sicher fühlen kann. Im März erhielten wir eine Absage von Eurimages, dann hatten wir kurze Zeit zu überlegen, wie wir nun tun, wenn wir ohne dieses Geld auskommen müssen. Ende April stand dann der Plan und sowohl der Koproduzent als auch der Regisseur mussten überzeugt werden, dass wir das in den zwei Monaten bis Drehstart auch wirklich hinkriegen. Zwei Monate Vorbereitung war nicht viel, das Buch war da, Ausstattung, Maske, Kostüm hatten viel vorzubereiten und da haben alle wirklich Großartiges geleistet. Im ganzen Konglomerat hat es gut funktioniert, ein gutes Gleichgewicht zwischen Deutschland und Österreich hinzukriegen. Der Dreh begann in Köln, wo wir die Villa Marian und Goebbels im Studio gedreht haben. Es waren ungefähr 15 Tage, in München haben wir die Original-Filmszenen und das Filmstudio von damals gefilmt, in Wien und Niederösterreich drehten wir alle Außenaufnahmen, und auch einige Originalfilmszenen, für die wir in Wien eher die Schauplätze fanden als in Deutschland. Auschwitz haben wir in NÖ gedreht. Es war überschaubar. In der Wiener Innenstadt haben wir ein Ghetto gedreht, die Kinoszenen, die Szenen in Venedig, das war alles in Wien. Das Konzerthaus haben wir zum Hotel Adlon gemacht, da waren wir mehrere Tage, in Wiener Neustadt haben wir die Theaterszenen, die am Filmbeginn sind, gedreht. In Wien haben wir 24 Tage gedreht, in Deutschland 15, also insgesamt 39.
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